Blockchain: Nachrichtennetzwerk der Zeitungen

Der BDZV hat auf seinem Infotag zur Blockchain-Technologie am 1. März in Frankfurt die Idee eines Nachrichtennetzwerks für Zeitungsverlage vorstellen lassen. Der deutsche Entrepreneur aus Kalifornien, Dr. Dirk Lueth, erläuterte dabei die Idee seines Global Content Networks.

Dirk Lueth ist der Meinung, dass die Menschen in Deutschland in puncto Datenschutz sensibler als in vielen anderen Ländern sind. Damit ist Deutschland prädestiniert für den Start eines Nachrichtennetzwerks der Verlage, das auf Google und Facebook verzichten hilft. Die Zeitungsleser müssen in dem Netzwerk nicht als Zielscheibe für Heizdecken- und Mallorca-Reise-Angebote herhalten. Leser können über MediaCoins ihre Artikel oder Abonnements mit den Verlagen direkt abrechnen und können selbst MediaCoins verdienen. Mit Kommentierungen, eigenen Artikel oder Fotos, Initiativen oder die bloße Freischaltung von Werbung können Leser zusätzliche MediaCoins erhalten. Das Netzwerk ist ein Instrument der Kundenbindung und leitet den Traffic an den gängigen sozialen Netzwerken und Suchmaschinen vorbei.

Die Blockchain-Technologie gilt, so der Tenor auf der BDZV-Veranstaltung, als der disruptive Faktor für die großen Plattformen wie Google, Facebook und Amazon. Die Verlage haben die Chance, bei der dritten Internetrevolution die „Peer-to-Peer“-Technologie der Zukunft mitzugestalten. Ziel dabei ist es, die bestehenden Verlagskunden besser an die existierenden Erzeugnisse zu binden, aber auch neue, vor allem jüngere Zielgruppen mit zeitgemäßen Angeboten zu erschließen. Dirk Lueth sucht Content-Partner, die Interesse haben bei diesem Thema etwas „Skin in the Game“ zu stecken, d.h. sich inhaltlich und geringfügig finanziell an der Idee zu beteiligen.

Mehr dazu finden Sie unter www.globalcontent.network oder direkt bei Dirk Lueth: dirk(at)globalcontent.network

Drei Fragen an Dr. Dirk Lueth, Unternehmer und Gründer Global Content Network

Können Sie kurz erläutern, welche Möglichkeiten die Blockchain-Technologie in Zukunft für Medienunternehmen bereithält?

Mit der Blockchain werden sich Dinge realisieren lassen, die erstens heutige Medienprodukte und deren Geschäftsmodelle verbessern sowie zweitens komplett neue Möglichkeiten eröffnen. Welche der folgenden Beispiele in der Praxis funktionieren bzw. weiter feinjustiert werden müssen, wird sich im Laufe der kommenden Zeit noch herausstellen. Wir stehen ja noch am Anfang dieser sehr jungen Technologie.

Zu der ersten Gruppe gehören z.B.

  • die Erweiterung der Monetarisierung digitaler Inhalte (Einführung von Micropayments, Akzeptanz von Cryptowährungen als Zahlungsmittel mit geringeren Transaktionskosten als etwa über Kreditkarten)
  • die Vereinfachung der Verwaltung von Rechten rund um Inhalte. Statt in einer zentralen Datenbank können Zugriffsrechte, wie etwa das geduldete Teilen von Bezahlinhalten, dezentral über die Blockchain abgewickelt werden
  • Neue, dezentrale Speichertechnologien eröffnen etwa die Möglichkeit die Kosten für das Streamen von Inhalten (vor allem Video) signifikant zu reduzieren 

Zur zweiten Gruppe, also die Gruppe der Innovation, gehören z.B.

  • die Überprüfung von sogenannten „Fake News" über die Einbindung von Lesern, die für ihre Verifizierungsaktivitäten belohnt werden
  • Leser erhalten eine Bezahlung in Cryptowährung für den Konsum von Werbung, etwa ein Werbespot vor einem Video („Bezahlung mit Zeit")
  • Leser erhalten Zugriff auf Inhalte über die bewusste Bereitstellung von persönlichen Daten

Sie sprechen davon, dass Blockchain ganz neue Formen der Kooperation von Publishern untereinander ermöglichen kann. Wie muss man sich das vorstellen?

Grundsätzlich sollten Verlage bei Fragen der Infrastruktur bzw. Gemeingütern kooperieren, da es hier kaum möglich ist, sich zu differenzieren. Das ist vergleichbar mit Straßen im Verkehrssystem. Bei den „Autos" hingegen, also den individuellen Verlagsprodukten, der Leserkommunikation usw. sollten die Publisher im Wettbewerb zueinanderstehen. Blockchain-Technologien stellen primär Infrastrukturen zur Verfügung. 

Konkretes Beispiel ist, dass alle Verlage an einer einheitlichen, dezentralen Identitätslösung für Verbraucher partizipieren. Denn aus Verbrauchersicht macht es keinen Sinn, auf jeder Webseite eine eigene, getrennte Identität vorzuhalten. Die Verlage könnten aber dennoch individuelle Beziehungen zu den Verbrauchern aufbauen und je nach individueller Zustimmung Daten aus den Identitätsprofilen übernehmen.

Sie machen sich für das Global Content Network, ein Nachrichten-Netzwerk für Zeitungsverlage, stark. Welche Vorteile haben Verlage und Medienhäuser von so einem Zusammenschluss?

Mit dem Global Content Network wollen wir vor allem Möglichkeiten schaffen, dass Verbraucher verlagsübergreifende Anreize erhalten, Inhalte außerhalb der zentralisierten Plattformen, vor allem den Sozialen Medien, zu konsumieren. Aus unserer Sicht stellt dies auch eine einmalige Gelegenheit für Verlage dar, sich u.a. verstärkt jüngeren Zielgruppen zuzuwenden, die dem Thema Anreize/Belohnung, Cryptowährung, „Gamificiation" usw. sehr aufgeschlossen gegenüberstehen. 

Anknüpfend an den bisher gemachten Ausführungen sollte man zunächst umdenken und sich entsprechend in die Medienverbraucher hineindenken, sowie deren Gewohnheiten und Bedürfnisse genau analysieren. Individuelle Bezahl- und Registrierungschranken verhindern oftmals den einfachen Konsum bzw. Erwerb von Inhalten. Wenn aber Verbraucher aufgrund einer einheitlichen Anmeldung auf allen Medienseiten automatisch angemeldet sind und es sehr einfach gemacht wird, Inhalte über standardisierte Check-Out-Systeme zu kaufen, sollten sich die Verlagseinnahmen erhöhen. So können Kundengruppen erschlossen werden, die - wie etwa früher im Kioskverkauf - spontane Einzelkäufe tätigen.

Das Global Content Network plant eine eigene Währung mit dem vorläufigen Namen „Mediacoin" einzuführen, die als Anreizwährung dienen soll, ähnlich den Meilen eines Bonusprogramms einer Fluggesellschaft. Verbraucher würden auf den Verlagsseiten Mediacoins verdienen können, indem Sie z.B. - wie angesprochen - zur Aufklärung von sogenannten Fake News beitragen, an Umfragen teilnehmen oder sich Werbung ansehen. Das Ganze soll idealer Weise „im Vorbeigehen" passieren und nicht eine ständige Interaktion des Verbrauchers benötigen. Diese Mediacoins können an anderen Stellen für Bezahlinhalte oder zur Unterstützung von journalistischen Projekten ausgegeben werden. Wir planen auch digitale Wechselstuben, wo Mediacoins gegen Euro eingetauscht werden können.

Es macht wenig Sinn, dass jeder Verlag eine eigene Währung ausgibt, da sich Konsumenten frei im Netz bewegen und daher an verschiedenen Stellen Mediacoins verdienen bzw. ausgeben wollen. Vorteile ergeben sich auch aus sogenannten Netzwerkeffekten (wie etwa beim Telefon oder Faxgeräten), wo zusätzliche Netzwerkteilnehmer, in unserem Fall also die Contentanbieter und Verbraucher, den Nutzen des Netzwerks überproportional erhöhen. 

Kontakt: Dr. Dirk Lueth, E-Mail dirk(at)globalcontent.network